Zentrales Nervensystem

Das Zentrale Nervensystem (ZNS) ist die Steuerzentrale des menschlichen Organismus. Hier, in Gehirn und Rückenmark, findet die komplette Informations- und Reizverarbeitung statt. Das ZNS sammelt und verarbeitet alle eingehenden Reize, koordiniert beispielsweise die Bewegung und reguliert alle Denkprozesse.

Kommt es durch Unfälle oder Krankheiten zu einer Schädigung des ZNS, so ist davon oft der gesamte Körper betroffen.

Zu den häufigsten Krankheiten des Zentralen Nervensystems gehören Depressionen, Epilepsie , Migräne und Morbus Parkinson.

Depression

Jeder fünfte Einwohner Österreichs erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Depression.1 Rund 400.000 Menschen leiden in Österreich an einer depressiven Störung, die behandelt werden müsste – aber nur bei etwa 130.000 Menschen ist die Krankheit diagnostiziert. Von diesen wiederum werden nur etwa 20% effizient therapiert. Mediziner sprechen von einer „Volkskrankheit“, die zahllose Krankenstandstage zur Folge hat und im schlimmsten Fall mit einem Suizid enden kann.

Hilfreiche Informationen:

Nahezu jeder Mensch leidet irgendwann in seinem Leben unter vorübergehenden depressiven Verstimmungen. Eine ernsthafte psychische Erkrankung könnte jedoch vorliegen, wenn diese Verstimmungen über einen längeren Zeitraum anhalten und das Alltagsleben spürbar beeinträchtigen. Wer über Wochen und Monate unter einer grundlosen Traurigkeit, unter Energie- und Antriebslosigkeit oder einem Gefühl der Sinnlosigkeit leidet, der sollte sich nicht scheuen, ärztliche und/oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

Epilepsie

Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu überschießenden Entladungen von Nervenzellen des menschlichen Gehirns, vergleichbar mit einem Gewitter im Gehirn.2 Dies führt zu einer kurzen Funktionsstörung der betroffenen Nervenzellverbände. Oft gelingt es dem Gehirn, diese Störung in dem betroffenen Teil beschränkt zu halten. Dies gelingt jedoch nicht immer, sodass sich die epileptische Aktivität bzw. das Gewitter in angrenzende Teile oder in das gesamte Gehirn ausbreiten kann.

Hilfreiche Informationen:

Nach Beendigung der Krampfphase ist es wichtig, den Patienten in die stabile Seitenlage zu bringen und auf offene Atemwege zu achten. Wenn ein Anfall mit Verwirrtheit und einer Störung des Bewusstseins einhergeht, sollte man den Patienten nur beobachten und nicht versuchen, seine Handlungen, die manchmal unverständlich und merkwürdig erscheinen, zu unterbrechen oder ändern.

Bei einem ersten Anfall, kurz aufeinander folgenden Anfällen oder einem Anfall, der länger als fünf Minuten dauert, ist immer der Notarzt zu verständigen!

Parkinson

Die nach dem Londoner Arzt James Parkinson (1755-1824) benannte Krankheit gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems – derzeit leben in Österreich rund 16.000 Menschen mit einem Parkinson-Syndrom.4 Zu den wichtigsten Symptomen der Krankheit gehören Zittern, Muskelsteifigkeit und eine Bewegungsverlangsamung.

Morbus Parkinson beginnt schleichend und tritt zumeist erstmals zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf – allerdings können auch deutlich jüngere Menschen betroffen sein. Ausgelöst wird die Krankheit durch einen Mangel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Dieser Dopamin-Mangel kann durch medikamentöse Behandlung ganz oder teilweise ausgeglichen werden. Die Parkinson-Krankheit ist derzeit nicht heilbar, lässt sich aber zumeist gut behandeln. Die Therapie mit Levodopa (Vorläufer von Dopamin) oder den so genannten Dopamin-Agonisten kann die Lebensqualität über viele Jahre hinweg erhalten. Die Lebenserwartung von Parkinson-Patienten ist dank moderner Medikamente kaum reduziert.

Hilfreiche Informationen:

Bei Symptomen wie einem leichten, aber unkontrollierbaren Zittern der Hände in Ruhe oder anderen Bewegungsstörungen sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Migräne

Charakteristisch für die Migräne sind anfallsartige Kopfschmerzen, die in unregelmäßigen Abständen wiederkehren.3 Im Gegensatz zum Spannungskopfschmerz, bei dem die Schmerzen als dumpf beschrieben werden und meist beidseitig auftreten, sind die Schmerzen bei Migräne oft halbseitig begrenzt und pulsierend. Zusätzlich können Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit auftreten.

Manche Betroffenen haben nur zwei- oder dreimal im Jahr eine Migräne-Attacke, manche mehrmals im Monat oder sogar fast täglich. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Kopfschmerzformen ist die Anfallsdauer. Die für die Migräne typischen pulsierenden, pochende oder stechenden Kopfschmerzen halten im Regelfall zwischen vier und 72 Stunden an, um dann auch ohne Behandlung wieder nachzulassen. Bei Kindern und älteren Menschen ist die Dauer auch oft kürzer.

10 bis 30% der Betroffenen haben vor einem Migräneanfall eine sogenannte "Aura", d.h. auftretende Wahrnehmungsstörungen. Diese deuten auf einen bald auftretenden Anfall hin.

Hilfreiche Informationen:

  • Beim Ausfindigmachen Ihrer individuellen Auslöser kann Ihnen ein "Kopfschmerztagebuch" und eine Triggerfaktoren-Checkliste helfen.
  • Behalten Sie einen gleichmäßigen Schlaf- und Wachrhythmus bei - vor allem am Wochenende.
  • Achten Sie auf sehr regelmäßige Essenszeiten
  • Treiben Sie regelmäßig gesunden Sport - zum Beispiel Schwimmen, Radfahren, Wandern
  • Versuchen Sie eine besonders ausgeglichene Lebensführung.
  • Beachten Sie die Einnahmeregeln für Ihre Medikamente.


1 Konsensus Statement Depression der ÖGPB, 2012, Clinicum Neuropsy
2 Patientenbroschüre der ÖGfE, 2012
3 Leitlinien zur Therapie der Migräne der DGN, 2015
4 Leitlinien zur Behandlung der Parkinson Krankheit der ÖPG, 2012