Tollwut

Was ist Tollwut?

Die seit Jahrtausenden bekannte Virusinfektion verursacht bei Tieren und Menschen eine akute Enzephalitis (Gehirnentzündung). Ohne vorherige Impfung oder entsprechende Maßnahmen nach einer möglichen Ansteckung verläuft die Infektion innerhalb von 15 bis 90 Tagen – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – immer tödlich.

Nach Schätzungen der WHO sterben jährlich 55.000 Menschen an Tollwut. Vermutlich ist mit einer erheblichen Dunkelziffer, insbesondere in Asien und Afrika, zu rechnen. Die Hälfte der Todesfälle weltweit betrifft Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Österreich gilt als tollwutfreies Gebiet.

Träger des Tollwutvirus waren in der Vergangenheit in unseren Breiten hauptsächlich wild lebende Tiere, und bei den Haustieren Weidetiere sowie Hunde und Katzen. Die häufigste Infektionsquelle der Tiere ist der Fuchs. Hunde und Katzen spielen vor allem als Expositionstiere für den Menschen eine wichtige Rolle. In Amerika stellen Stinktiere, Waschbären, Fledermäuse und Füchse die Hauptreservoire der klassischen Tollwut dar.

Das Virus ist im Speichel eines tollwütigen Tieres vorhanden und der Infektionsweg führt fast immer über einen Biss. 99,9% der Fälle bei Menschen werden durch den Biss eines Hundes übertragen. In den USA hingegen gingen in den letzten Jahren die meisten Fälle auf Bisse von Fledermäusen zurück. Aber auch kleinste Verletzungen der Haut und Schleimhäute können das Eindringen des Virus durch Schmier- oder Kontaktinfektion ermöglichen.*

 

*Österreichischer Impfplan 2016

Symptome

Die Tollwut verläuft in drei Stadien. Die ersten Anzeichen der Krankheit sind Brennen und Rötungen an der Bissstelle, gefolgt von unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit und Unwohlsein. Im darauffolgenden Akutstadium tritt bei den Erkrankten eine zunehmende Reizbarkeit und Empfindlichkeit gegen Licht, Luftzug und Geräusche auf sowie eine steigende Aggression und Verwirrtheit. Die Schluck- und Atemmuskulatur wird von Krämpfen befallen. Im letzten Stadium der Tollwut treten fortschreitende Lähmungen auf. Der Patient fällt anschließend ins Koma und stirbt meist durch eine Herz- und Atemlähmung.*

 

*Österreichischer Impfplan 2016

Diagnose

Der Verdacht auf eine Tollwut-Infektion beim Menschen ergibt sich zunächst aus den klinischen Symptomen und einer gründlichen Befragung nach der Vorgeschichte (Anamnese) der Beschwerden. Besonders wichtig sind dabei Kontakte zu wilden Tieren oder auffällig aggressiven Haustieren. Auch Auslandsaufenthalte und Bluttransfusionen können eine entscheidende Rolle spielen.

Zur genauen Diagnostik wird das Erbgut des Tollwut-Erregers im Speichel, in der Hornhaut des Auges und in der Hirnflüssigkeit nachgewiesen. Allerdings gelingt es nicht immer, eine Tollwut-Infektion auf diesem Weg nachzuweisen. Eine sichere, eindeutige Diagnose der Tollwut ist oft erst nach dem Tod des Betroffenen möglich.*

 

*Österreichischer Impfplan 2016

Behandlungsmöglichkeiten

Bei Bissen, jedoch auch schon bei leichten Kratzern eines auffälligen oder wilden Tieres, muss so schnell wie möglich die Tollwut-Impfung nach dem WHO-Schema erfolgen. Dabei werden einerseits fertige Antikörper gegen das Tollwut-Virus verabreicht (passive Immunisierung), andererseits erfolgt aber auch zusätzlich eine aktive Impfung, die abgetötete Virusbestandteile enthält. Eine Impfung kann auch Stunden nach einem Biss noch erfolgreich sein. Für eine nachträgliche Impfung bleibt mehr Zeit, wenn die Wunde relativ weit vom Kopf entfernt ist und durch den Biss keine venösen Blutgefäße verletzt worden sind.

Treten bereits die ersten Symptome der Tollwut auf, so ist eine Impfung oder die Gabe des Antiserums nicht mehr wirksam. Die Therapie der Tollwut richtet sich dann lediglich gegen die Linderung der Symptome. Zwischen dem Auftreten der ersten Tollwut-Symptome und dem tödlichen Ausgang liegen selten mehr als sieben Tage.

Ein vorbeugender Schutz besteht aus drei Impfungen und empfiehlt sich hierzulande für besonders gefährdete Personenkreise wie Tierärzte, Tierpfleger, Förster und Jäger. Auch Reisende in Gebiete mit hohem Tollwutrisiko, vor allem nach Südostasien, Afrika, Südamerika, aber auch in Länder Osteuropas, sollten sich unbedingt bereits vor der Abreise rechtzeitig impfen lassen. Nach dem Biss eines tollwutverdächtigen Tieres sollte bei ungeimpften Personen sofort eine Behandlung mit modernen Impfstoffen (fünf Injektionen) zusammen mit einem Immunglobulin begonnen werden. Tipp: Vermeiden Sie Kontakt zu wild lebenden Tieren. Dazu zählen insbesondere Füchse (Europa), Fledermäuse und Hunde (Asien).*

 

*Österreichischer Impfplan 2016